Straßenkatzen/Tierschicksale

Da ich mich im Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten auch um Straßenkatzen kümmere, habe ich schon so manche schöne oder auch schlimme Erfahrung in dieser Richtung gemacht. (Definition Straßenkatzen: Katzen die kein Zuhause und keinen Besitzer haben und ganzjährig draußen, auf der Straße leben müssen )

Hiervon möchte ich an dieser Stelle berichten.

Leider stelle ich dabei immer wieder fest, daß die meisten Menschen freilebende Katzen als eine Art Schädling ansehen. Als ein Tier ohne jeglichen Wert, das man ruhigen Gewissen erschlagen, vergiften, einfangen und töten kann. Ich kann diese Denkweise nicht nachvollziehen und es tut immer wieder weh, bzw. läßt blanke Wut in mir hochkommen wie gedankenlos Menschen mit anderen Lebewesen umgehen!

Immerhin haben es sich die Katzen nicht ausgesucht so leben zu müssen. Die meisten wurden von skrupellosen Menschen einfach ausgesetzt, meist unkastriert, so daß die nächste Generation der Straßenkatzen entsteht. Diese Tiere sind durch Futtermangel und durch Kälte und Nässe im Winter geschwächt und krank, aber statt zu helfen, sei es nur mit einer Dose Futter am Tag gibt es noch einen Tritt ...! Am schlimmsten ist es auf den ach so idyllischen Bauernhöfen! Die Katzen sind zwar gern als Mäusefänger gesehen, weil Mäuse Futtervorräte vernichten und Krankheiten auch auf das gehegte Nutzvieh übertragen. Sind die Katzen selbst jedoch mal krank wird nichts unternommen. "Das regelt sich von selber, war früher schon so!" ist der Lieblingsspruch der Bauern. Will im Klartext nur heißen: Die Viecher krepieren halt, das war früher auch schon so!" Und hartnäckig hält sich bei den Bauern das Vorurteil, daß kastrierte Katzen keine Mäuse mehr fangen. So ein Blödsinn!!! Meine allesamt kastrierten Katzen und Kater erlegen jede Maus die ihnen unter die Pfoten kommt, nur fressen sie sie dann meist nicht weil sie satt sind!

Genauso ist es mit der Kastration. Statt wenigstens die Kätzinnen kastrieren zu lassen, damit es nicht zu viel Nachwuchs gibt, werden "überzählige" Jungtiere erschlagen oder ertränkt wenn sie es überhaupt schaffen groß zu werden und nicht vorher elendig an diversen Krankheiten sterben. Das war dann früher auch schon so.... !!!

Ich sage dazu nur, früher dachten die Menschen auch, daß die Erde eine Scheibe ist und daß man hinunterfällt, wenn man zu weit an den Rand geht! Heute sind wir da doch etwas weiter, aber bei manchen Menschen meint man, daß sie sich noch immer in der Steinzeit befinden! Das ist ein Thema über das man seitenweise schreiben könnte, aber ich denke ich habe meine Meinung dazu hier klar zum Ausdruck gebracht, also hier Ende und weiter zu dem was ich eigentlich erzählen wollte: Tiergeschichten/Tierschicksale.

 

Amigo

 

Es war der verregnete, kühle Sommer 2002 als ich in einer Samstagnacht mit dem Auto von Göttingen nachhause fuhr. Ich fuhr auf einer Landstraße die durch mehrere Dörfer führt. Kurz vor dem Dorf "Gladebeck" sah ich im Scheinwerferlicht eine Katze auf der anderen Fahrbahnseite sitzen. Das Tier saß mitten auf der Straße und rührte sich nicht. Das nächste Auto aus der anderen Richtung hätte das Kerlchen mit Sicherheit erwischt. Ich hielt an, machte den Warnblinker an und ging auf die Katze zu. Ich rechnete damit, daß sie jetzt weglaufen würde, aber sie blieb sitzen. Ich konnte die Hand austrecken und sie anfassen. Ich nahm die Katze hoch und trug sie zu meinem Auto. Was ich in der Dunkelheit fühlte und hörte ließ auf nichts Gutes schließen. Das Tier war rappeldürr und schniefte und schnaufte laut hörbar.

Ich setzte die Katze auf den Beifahrersitz und schaltete die Innenbeleuchtung ein. Was ich sah bestätigte meine schlimme Vermutung. Die graugetigerte Katze war schlimm erkältet, sehr dünn, aber offensichtlich nicht verletzt. Es war klar, daß ich sie in diesem Zustand nicht dort lassen konnte. Ein bißchen Angst hatte ich, was das Tier für Krankheiten bei meinen eigenen Katzen einschleppen könnte, aber ich hatte keine andere Wahl und so nahm ich sie mit. Da begann schon das nächste Problem: ich hatte keinen Transportkorb im Auto! (seit diesem Tag habe ich jetzt immer einen Korb dabei!) Zum Glück war es nicht mehr weit bis nachhause und so fuhr ich langsam los, jeder Zeit damit rechnend, daß die Katze anfängt wild im Auto herumzutoben, - aber nichts dergleichen geschah. Mein Fundtier saß still und irgendwie zufrieden (!) auf dem Beifahrersitz und sah mich ab und zu an! Die Fahrt verlief ohne Probleme!

Zuhause angekommen brachte ich die Katze nach oben in meine zur Zeit zum Glück leerstehende zweite Wohnung im Haus. Ich quartierte sie in der Küche ein. Dort ist PVC Boden, falls irgendein Malheur passiert dachte ich! Ich holte Futter und mein Fundtier stürzte sich sofort ausgehungert drauf und fraß alles auf. Inzwischen hatte ich festgestellt, daß die Katze ein (kastrierter!!!) Kater war. Ich saß am Küchentisch und sah ihm beim Fressen zu. Als der Kater fertig war, kam er zu mir, sprang auf den Tisch und wollte mit seiner "Rotznase" an meinem Gesicht "Köpfchengeben". Er kannte also Menschen sehr gut, aber so verrotzt wie er war wollte ich seinen Liebesbeweis dann doch noch nicht...!

Am nächsten Morgen ging ich mit gemischten Gefühlen was mich erwarten würde in das Quarantänezimmer in der Küche, aber zu meinem großen Erstaunen war nichts verschmutzt oder so. Der Kater war brav auf das Katzenklo, was ich ihm hingestellt hatte, gegangen und die Küche war sauber geblieben. Er fraß wieder mit einem Mordsappetit und strich mir danach schnurrend um die Beine. Das Kerlchen war wirklich außergewöhnlich und einfach nur dankbar. Spontan fiel mir ein Name ein, weil der Kater so freundlich war: Amigo ( Freund ) sollte er von nun an heißen. Eigentlich wollte ich ihn ja im Katzenhaus Luttertal zur Genesung und späteren Vermittlung abgeben, aber da dort einmal wieder alle Plätze belegt waren behielt ich Amigo zur Pflege bei mir. Die erste Zeit war für mich anstrengend wegen der strengen Hygieneregeln, das bedeutete: immer einmal komplett umziehen bevor ich zu ihm ging und danach wieder inklusiv Hände waschen und desinfizieren. Doch außer seinem Schnupfen, der laut Tierarzt chronisch und damit nicht mehr unbedingt ansteckend war hatte Amigo nichts.

Amigo machte seinem Namen wirklich alle Ehre. Er erholte sich gut, bekam Antibiotika gegen den Schnupfen ( der aber nie mehr ganz wegging ) und nahm wieder zu. Einige Wochen waren inzwischen vergangen. Ich wollte probieren, ob er sich mit meinen anderen Katzen vertragen würde. Ich nahm ihn mit zu meinen Katzen und setzte ihn in den großen Käfig auf der Terrasse. Dort konnte er die anderen sehen und sie ihn, aber keiner konnte dem anderen was tun. Der Versuch wie auch weitere andere ging gründlich daneben. Amigo fauchte wenn er meine Katzen sah, aber ich merkte, daß er aus Angst fauchte. Daran änderte sich auch nach mehreren Anläufen nichts. Auch schien er draußen Angst zu haben und wollte immer schnell wieder zurück in die Wohnung. Also nicht unbedingt der Freigänger der Auslauf braucht. Menschen gegenüber war Amigo jedoch ein Schatz! Er schmuste für sein Leben gern, schnurrte leise und durfte nun endlich trotz Rotznase bei mir im Gesicht "Köpfchengeben". Er genoß sichtlich jede Minute die man mit ihm verbrachte. Ansonsten schlief er viel. Er schien auch laut Tierarzt schon ein älteres Tier zu sein, also über 10 Jahre, geschätzt. Ich nehme an, daß Amigo entweder ausgesetzt wurde ( denn auf dem Dorf gibt es selten kastrierte Kater ). Dafür spräche auch, daß er so abgemagert war als ich ihn fand. Er hatte nicht gelernt sich selbst zu versorgen, war also nicht auf der Straße geboren. Oder er stammt aus einem Sterbefall, d.h. sein Besitzer verstarb und die Erben wollten den Kater nicht und so flog er auf die Straße. Amigo hätte jedenfalls nicht mehr lange allein auf sich gestellt auf der Straße überlebt.

Es war mir jedoch klar, daß Amigo nicht bei mir bleiben konnte und ich ihn versuchen mußte zu vermitteln. Ich meldete beim Katzenhaus Luttertal und beim Katzenhaus Grone, daß ich mal wieder einen Vermittlungskandidaten hätte. Eine ganze Zeit lang tat sich nichts. Dann irgendwann ein Anruf von einer Frau aus Göttingen. Sie suche eine Katze, gern schon älter für Wohnungshaltung. O.K. sagte ich, genauso so etwas habe ich zu vermitteln. Sie kam um Amigo anzusehen und war mir sofort von ihrer ganzen Art her symphatisch. Amigo schien ihr auch zu gefallen ( und der Kater liebte sowieso alle Menschen die sich mit ihm irgendwie beschäftigten ), aber sie zögerte wegen seinem Schnupfen. Sie hatte halt vor Amigo schon eine Katze die sie von privat übernommen hatte, und die bei der Übernahme schon krank war und nicht mehr lange gelebt hat. Sie hatte Angst, daß es mit Amigo genauso werden könnte und deswegen wollte sie ihn nicht. Schade, dachte ich, das wäre das richtige Zuhause für dieses Kerlchen gewesen. Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Nach etwa einer Woche rief ich die Frau an, und fragte ob sie es sich nochmal überlegt hätte. Bingo!< Volltreffer! Sie sagte sie hätte auch die ganze Zeit an Amigo denken müssen und wenige Tage später brachte ich den Kater zu ihr!

Amigo war sofort in der neuen Umgebung zuhause. Das war eine geglückte Vermittlung bei der ich auch von Anfang an ein gutes Gefühl hatte. Schnell stellte das neue Frauchen auch fest, daß Migo wie sie ihn liebevoll nannte ein richtiger Schatz war. Wir blieben in telefonischem Kontakt und inzwischen ist aus dem zufälligen Kennenlernen durch Kater Amigo eine richtige, herzliche Freundschaft entstanden, worüber ich mich sehr freue.

Und doch ist das Ende von Amigos Geschichte trotz super Vermittlung trotzdem traurig. Leider hatte Amigo nur noch 1 1/2 schöne Jahre in seinem neuen Zuhause. Er starb überraschend am 12. Dezember 2003 an einer unheilbaren, akuten Herzerkrankung. Ich hätte ihm noch so viele gute Jahre gegönnt, diesem lieben, alten, grauen Katerchen. Aber wenn ich an ihn denke bin ich so froh darüber, daß er diese anderthalb Jahre seines Lebens noch genießen konnte. Es waren anderthalb geschenkte Jahre die er noch (er-)leben durfte, mit Liebe, Streicheleinheiten und reichlich Futter in einer warmen Wohnung. Hätte ich ihn in der Nacht im Sommer 2002 nicht buchstäblich von der Straße aufgelesen, das nächste Auto hätte in totgefahren und er hätte diese letzte, schöne Zeit seines Lebens niemals erlebt. Es war wohl Schicksal, seins und das von Sabine und mir. Er hat uns zusammen gebracht und in unserer Erinnerung lebt er weiter.

Außerdem ist er zurückgekommen um nun für immer zu bleiben. Sein Grab ist neben dem meiner anderen verstorbenen Tiere auf meinem Grundstück.


eine Kerze für Amigo

 

 

Mach es gut kleiner Kater. Dort auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke geht es Dir jetzt für immer gut.

Kater Amigo

 

>>> Und als es Abend wurde, kletterte ein kleiner Stern an einem Sonnenstrahl auf seinen Platz am Himmel zurück.<<<

 

 

wer möchte kann weiter lesen...

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Mona & Lisa

 

Von einer Arbeitskollegin erfuhr ich Ende 2003, daß sie in Trögen ( so heißt das Dorf nahe dem ich wohne ) zwei Katzen an einem Haus füttert. Die Katzen wurden beim Umzug des Hausbesitzers einfach "vergessen", d.h. zurückgelassen, ausgesperrt und sich selbst überlassen. Das Haus stand seitdem leer.Da meine Arbeitskollegin viele Kilometer fahren mußte um die Katzen zu füttern, es für mich jedoch nur ein minimaler Weg ist, habe ich ihr angeboten die Versorgung zu übernehmen was ich auch tat.

Es war glaube ich Ende Oktober als ich das erste Mal dorthin fuhr, der Winter stand also unmittelbar bevor.Meine Arbeitskollegin hatte die Katzen immer draußen vor der Haustür gefüttert, da das Haus verschlossen war.Das Haus war alt und sehr heruntergekommen. Später erfuhr ich das der Hauseigentümer die Kreditraten an die finanzierende Bank nicht mehr zahlen konnte und das Haus zwangsversteigert werden sollte wozu es letzlich auch kam. Dort lebten also zwei ältere, graugetigerte, kastrierte Kätzinnen.Tatsächlich kamen sie auch, als ich Futter in die Näpfe verteilte. Sie waren jedoch überaus scheu und vorsichtig.Erst als ich mich wieder vom Futterplatz entfernte, kamen sie um zu fressen. Von da an fuhr ich jeden Tag hin und da ich direkt von der Arbeit hinfuhr, kam ich fast pünktlich immer zur selben Zeit.Das blieb auch den Nachbarn nicht verborgen und nachdem ich bereitwillig darüber Auskunft gegeben hatte warum ich die Katzen nun fütterte akzeptierte man es wohl. Ich hatte mit mehr Schwierigkeiten gerechnet, aber da man mich im Dorf kennt und ich keinen Zweifel daran ließ, daß eine Fütterung aus Gründen des Tierschutzes sinnvoll und notwendig ist, wurde ich wohl als harmloser "Spinner" eingestuft und es war o.k.

Das Wetter wurde unterdessen immer schlechter. Oft stand ich und die Katzen bei der Fütterung im Regen, und es wurde auch jeden Tag kälter. Ich machte mir Gedanken, wo die Katzen den Winter verbringen sollten, und daß das Futter ständig gefrieren würde, als mir eine Idee kam. Zu dem Haus gehörte eine Art Garage bzw. Schuppen mit einem nicht sehr stabil verschlossenen Holztor davor. Ich zog ein bißchen fester an dem Tor und es war auf! In der Garage stand nur Müll, bzw. Dinge die der Hauseigentümer nicht mehr brauchen konnte und daher nicht mitgenommen hatte.Das wurde der neue Futterplatz für die Katzen und auch ihr Unterschlupf für den bevorstehenden Winter.Das Holztor hatte ein Loch, groß genug für eine Katze zum Durchschlüpfen und zusätzlich machte ich ein kleines Fenster auf damit die Katzen dort auch raus und rein konnten.So konnte sie auch niemand böswillig einsperren ( man weiß ja nie auf was für Gedanken Menschen kommen ) Es dauerte zwar einige Zeit sie von dem neuen Futterplatz zu überzeugen, aber schließlich nahmen sie diese neue Annehmlichkeit doch an. Sie waren jedoch immer noch scheu und ließen sich von mir nicht anfassen.Warum auch? Sie waren schon lange auf sich allein gestellt gewesen. Ich weiß ja leider nicht, ob die Beide vielleicht Mutter und Tochter waren und deswegen eine so enge Beziehung zueinander hatten. Mir war nur von Anfang an aufgefallen, daß die beiden Grauchen meistens sehr liebevoll miteinander umgingen. Hatten sie sich längere Zeit nicht gesehen, begrüßten sie sich mit intensivem "Köpfen- und Flankenreiben". Soetwas habe ich bei zwei erwachsenen Kätzinnen so extrem noch nie vorher gesehen und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr sehen. Sicher, die Beiden zankten sich auch mal, aber meistens zeigten sie, daß sie unzertrennlich waren ...

 

In der Zwischenzeit hatte ich auch warme Schlafplätze für sie gemacht. Aus großen, stabilen Kartons. Außen gegen Kälte, Zugluft und Feuchtigkeit mit Paketklebeband isoliert und innen mit einer Einlage aus wärmenden Styropor und darüber eine Fleecedecke zum gemütlichen Einkuscheln.Ein Eingangsloch zum reinschlüpfen und fertig war der warme Katzenschlafplatz für den Winter. Die Kartons stellte ich auf erhöhte Plätze in der Garage, damit es auch von unten nicht zu kalt wurde und es gab genug Kartons, falls mal überraschend "Besuch" zum schlafen dableiben sollte. Es hatte sich nämlich inzwischen unter den Dorfkatzen "herumgesprochen", daß es hier jeden Tag etwas zu essen gibt und es kamen noch andere meist aber auch sehr scheue Tiere. Mir war das egal, denn die Katzen die dorthin kamen hatten auch nur Hunger, kein Zuhause und keinen gefüllten Futternapf ... ! "Meine" beiden Grauchen hatten die Kartons und die Garage inzwischen auch gut angenommen und so verbrachten sie ihren ersten Winter draußen.Lag Schnee oder regnete es stark verließen sie die trockene Garage wohl nur zum pipimachen. Fuhr ich mit dem Auto vor, kamen sie mir oft schon entgegen um zu sehen was ich ihnen mitgebracht hatte. Obwohl sie keinen großen Hunger haben konnten, denn Trockenfutter stand immer genug zur Verfügung.

So verging der erste Winter. Bei meinen Arbeitskolleginnen im Büro wurde ich zu dieser Zeit wohl auch als Spinner abgestempelt weil ich die Futterdosen für meine Trögen-Katzen immer im Büro auf der Heizung erwärmte ... !!! Mir ist es egal was andere über mich denken oder nicht denken. Ich bin von meinem Sternzeichen her ein Skorpion. Der macht eh was er will, notfalls mit dem Kopf durch die Wand, ohne Rücksicht auf eigene Verluste ( soweit zu meiner Charakterkurzbeschreibung ) und alles nach dem Motto: entweder ganz oder gar nicht! Den beiden Grauchen ging es jedenfalls gut, bis auf- die Sache mit den Flöhen.Sie kratzten sich beide sehr oft, aber da sie sich nicht anfassen ließen hatte ich keine Chance ihnen ein Spot-on gegen Flöhe auf das Fell zu machen.

Dann wurde es Frühling 2004. Meine Grauchen kratzen sich noch immer, aber langsam wurden sie zutraulicher! Irgendwann war das Eis dann gebrochen und ich durfte sie zum ersten Mal vorsichtig streicheln. Was für ein Erfolg nach den vielen Monaten! Jetzt konnte ich auch endlich was gegen die Flöhe unternehmen und das Kratzen hörte auf ! Inzwischen kam ein schwarz-weißer Kater und ein großer, kräftiger graugetigerter Kater auch regelmässig zum Essen abholen. Obwohl beide unkastriert waren, herrschte meistens Ruhe am Futterplatz. Auch die beiden Grauen akzeptierten die Kater sowie andere Katzen auch die immer mal vorbei kamen.Es war Zeit den Grauchen einen Namen zu geben.

Ich bekam die Chance zwei Katzen die bei mir zur Vermittlung waren durch einen Bericht mit Foto in einer örtlichen Zeitung vorzustellen.Dem Fotografen der Zeitung erzählte ich auch von meinen beiden Grauen die ein neues Zuhause brauchten, und so machte er auch von ihnen Fotos. Er fragte wie sie heißen ( für den Zeitungsartikel ). Spontan fiel mir: Mona & Lisa ein. Scheu und schön. Ja, daß paßte zu diesen Katzen.Der Bericht erschien in der Zeitung aber für Mona & Lisa gab es keine Interessenten ... Noch nicht einmal einen Anruf. Ja, sie waren halt schon älter und nur unscheinbar grau ... ! So blieb alles wie gehabt. Der Sommer verging, auch der Herbst und der nächste Winter war wie der erste. Mona und Lisa waren rund und gesund und scheinbar zufrieden mit ihrem Leben. Nur ich machte mir immer Gedanken. Schließlich schwebte das Damoklesschwert, was in diesem Fall Zwangsversteigerung des Hauses hieß, immer über dieser kleinen Idylle.

Trotzdem hielt das "kleine Glück" noch bis Anfang des Jahres 2007. Als ich schon fast nicht mehr daran dachte daß es passieren könnte, war es dann soweit. Ein Nachbar informierte mich, daß das alte Haus samt Grundstück Anfang März in einer Zwangsversteigerung für insgesamt 6.000 Euro verkauft worden war. Ein Spottpreis, aber es mußte ja auch wirklich alles von Grund auf neu gemacht werden, damit überhaupt jemand einziehen konnte. Das bedeutete Renovierung, und das hieß wiederum fremde Menschen, Lärm, Krach und haufenweise Veränderungen. Ich wußte, daß die scheuen Katzen Mona und Lisa dadurch vertrieben werden würden. Es war auch nicht klar, ob der neue Besitzer weiterhin die Katzen in der Garage dulden würde.Seit langem war in mir deswegen ein Entschluß gereift in diesem Fall die Katzen mit zu mir zu nehmen. Gesagt, getan?, -weit gefehlt! Mona und Lisa ließen sich zwar von mir streicheln, aber bei jedem Versuch sie auf den Arm zu nehmen oder festzuhalten kamen sie schon in Panik und wollten kratzen und auch beißen! Mit einer List, einem Transportkorb und leckerem Hüherfleisch ist es mir schließlich doch gelungen sie ohne Blessuren meinerseits einzufangen.

Bei mir quartierte ich Mona und Lisa erstmal in meinem ehemaligen Pferdestall ein. Das entsprach am ehestem dem, was sie bislang gewohnt waren. Sie reagierten mit großer Angst und Scheu auf die fremde Umgebung! Ins Haus konnte ich sie schon wegen meiner Hunde nicht mitnehmen. Die Hunde hätten den Katzen nichts getan, aber die Dorfkatzen hatten in den Jahren gelernt, daß man vor Hunden Angst haben muß, und so wäre ihre Panik im Haus nur noch schlimmer gewesen. Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich etwas eingewöhnt hatten und ich mich traute sie zu den anderen in den umzäunten Garten zu lassen. Doch etwas mit dem ich nicht gerechnet hätte passierte: Mona und Lisa reagierten sehr abweisend und reserviert meinen Katzen gegenüber, obwohl die sich nicht aggressiv verhielten. Die beiden Grauen, die sich in Trögen mit allen anderen Katzen an der Futterstelle vertragen hatten mochten meine Katzen nicht, oder hatten Angst vor ihnen. Jedenfalls fauchten sie sie an und gingen ihnen aus dem Weg. So kam es, daß Mona und Lisa nur nachts in den Garten gingen, wenn ich meine eignenen Katzen ins Haus geholt und eingesperrt hatte.Tagsüber schliefen sie, auch beim schönsten Sonnenschein ( es war inzwischen Sommer ). Das machte mich traurig. Ich hatte gehofft, daß sie sich einleben würden, aber sie zeigten deutlich, daß sie bei mir nicht glücklich waren .........!

Ein paar Mal bin ich zu dem alten Haus in Trögen gefahren um zu sehen, was sich tut, und es tat sich einiges! Die Garage ( die Katzensachen hatte ich vorher rausgenommen) lag bis oben mit Gerümpel, altem Holz und Sperrmüll voll. Der Vorgarten war auch nicht mehr wiederzuerkennen. Alles war durcheinander. Fremde Menschen liefen dort herum ( ist ja auch ihr gutes Recht gewesen ) und auch ein Hund. Nichts war mehr so wie es mal gewesen war.Ich hatte geglaubt die Katzen vielleicht dorthin zurückbringen zu können wenn sie bei mir auch nicht glücklich waren, aber wo hätten sie in diesem ganzen Durcheinander hingesollt? Ich verwarf den Gedanken wieder und machte mir Gedanken was mit Mona und Lisa geschehen sollte.Der Sommer ( der keiner war im Jahr 2007 ) war schon fast vorbei. Im Winter wollte ich Mona und Lisa eigentlich nicht in dem Pferdestall lassen weil es dort auch sehr kalt wird. Außerdem sah ich ihre traurigen Augen. Das machte mich auch traurig.

In dieser Zeit kam ein Anruf von einer lieben Freundin von mir, die auch Katzen aufnimmt und weitervermittelt. Sie hatte eine Anfrage von Leuten die eine oder auch zwei Katzen nur für "draußen" suchten, also Tiere die nicht mit ins Haus kommen. Ich war skeptisch. Meistens suchen diese Leute nur eine lebendige Mausefalle und haben wenig bis kein Interesse an dem Tier selber... Trotzdem sah ich es als Chance für Mona und Lisa wieder so zu leben wie sie es gewohnt waren. Ich ließ mir die Adresse von den Leuten geben und fuhr erstmal hin, um mir die örtlichen Gegebenheiten anzusehen wohin ich meine Katzen geben würde.Es sah für meine Begriffe recht gut aus: ein kleines Dorf, ziemlich abgelegen und dort wohin die Katzen kommen sollten war reine Ortsrandlage mit nur einer kleinen Straße davor, ohne Durchgangsverkehr( an eine Hauptstraße hätte ich sie nie gegeben).Die Katzen sollten in einer großen, gepflegten Scheune leben, wo auf dem Dachboden noch Heu und Stroh aus einer Pferdehaltung lag. Dort sollten sie auch gefüttert werden. Hinter dieser Scheune waren nur noch Wiesen und Wald. Eigentlich sah es fast so aus wie dort, wo Mona und Lisa vorher gelebt hatten. Es schien alles perfekt zu sein.

Mir war zwar nicht wohl dabei, aber ich entschied mich nach einigem hin- und herüberlegen Mona und Lisa dorthin zu geben.

Ich telefonierte nochmal mit den zukünftigen Besitzern und ein Termin wurde ausgemacht an dem ich die Katzen bringen sollte... Als dieser Tag gekommen war, ging es mir nicht gut. Ich hatte kein gutes Gefühl bei dieser Vermittlung. Alles war auch sehr schwierig. Mona und Lisa ließen sich zwar anfassen, aber in eine Transportbox setzen ließen sie sich nicht. Mit einer List mußte ich sie wieder "einfangen". Ich brauchte sogar die Hilfe von noch einer anderen Person um die scheuen Tiere in die Körbe zu bekommen. Am liebsten hätte ich die ganze Aktion abgeblasen, aber ich hatte dabei auch immer im Kopf, daß sie bei mir auch nicht glücklich waren. Was hätte ich also machen sollen? Vielleicht hätte ich sie doch an ihren alten Platz zurückbringen sollen, doch dafür war es jetzt zu spät.

Auf der Fahrt, im Auto maunzten die Beiden ab und zu. Es hörte sich so an als wollten sie fragen: "Hallo, hier bin ich. Bist du auch noch da ?" Ich wäre am liebsten wieder umgekehrt.

Dann waren wir da. Mona und Lisa sollten für die erste Zeit in einer leeren Pferdebox bleiben, bis sie sich an die neue Umgebung gewöhnt hatten. Mir war klar, daß man sie dort nicht für die meist empfohlenen 6 bis 8 Wochen einsperren konnte, aber 14 Tage, so hatte ich den Leuten gesagt, sollten sie dort drin bleiben. Die Ankunft war schon enttäuschend genug: in der Pferdebox stand ein großes Katzenklo, zwei Näpfe und ein altes Stück Teppich lag auf dem nackten Betonfußboden, sonst nichts! Man hatte sich wohl keine Gedanken darüber gemacht wie man es den Katzen freundlicher hätte einrichten können... Zum Glück hatte ich zwei ihrer geliebten Schlafkisten und ein paar ihrer Decken mitgenommen, außerdem Futter und Katzenmilch die sie so gern mochten.Ein alter Tisch fand sich dort vor Ort tatsächlich auch noch, den man in die Pferdebox mit reinstellen konnte, damit die Katzen nicht nur auf der Erde sitzen mußte...! Als alles fertig in der Pferdebox stand ließ ich die Beiden aus den Transportboxen. Es war schlimm! Gestreßt von der Autofahrt und vor Angst wegen der fremden Umgebung waren sie richtig in Panik. Sie sprangen an der Trennwand zu der ( ebenfalls leeren ) Nachbarbox hoch. Mona kletterte gleich drüber und versteckte sich sofort zwischen den diversen Gartengeräten die in der anderen Box standen. Lisa saß ängstlich auf dem Eisen der Trennwand.

Mir war das Herz so schwer bei diesem Anblick. Was hatte ich nur getan! Aber selbst wenn ich gewollt hätte, jetzt konnte ich nichts mehr rückgängig machen, denn die Beiden ließen sich in ihrer Panik von mir nicht mehr anfassen.Ich kam mir vor wie ein Verräter. Ich hatte ihr Vertrauen mißbraucht und sie in diese fremde Umgebung gebracht, war für ihre Angst verantwortlich.

Die neuen Besitzer meiner Katzen schienen nett zu sein. Ich gab ihnen noch ein paar Tipps in Bezug auf die Katzen, dann fuhr ich nachhause. Auf der ganzen Fahrt habe ich geweint...Ich hatte das Gefühl etwas Furchtbares getan zu haben und fühlte mich schlecht.

An den darauffolgenden Tagen telefonierte ich mit den neuen Besitzern von Mona und Lisa. Sie sagten die Katzen würden sich vor ihnen verstecken, aber sie würden fressen und das Katzenklo benutzen. Ich hatte einwenig Hoffnung, daß sich alles noch zum Guten wenden würde...Dann, am vierten Tag erzähle mir der Mann am Telefon, daß ihm eine der Katzen beim Füttern entwischt sei und weggelaufen sei. Ich sagte, dann solle er die andere auch rauslassen und draußen Futter und Wasser hinstellen.Eigentlich hatten wir besprochen, daß sie die Katzen mindestens 14 Tage eingesperrt lassen sollten ...

Bei den nächsten Telefonaten erzählten die Leute sie hätten die Katzen gesehen und auch das Futter würde angenommen werden. Wieder bekam ich etwas Hoffnung, daß die zwei Grauchen sich dort doch wieder einleben würden.
Da ich den Leuten nicht auf die Nerven gehen wollte, rief ich nicht mehr so oft an.Sie sagten sowieso immer nur dassselbe. Im Moment gab es keine Neuigkeiten. Die Intervalle zwischen den Telefonaten wurden immer länger. Trotzdem hatte ich immer dieses Gefühl, daß irgendetwas Schlimmes passieren würde...

Vieleicht war es eine Vorahnung. Als ich kurz vor Weihnachten 2007 das letzte Mal anrief, erzählen die Leute mir sie hätten Mona tot bei sich vor der Haustür gefunden! Sie sei wohl überfahren worden und irgendwelche Leute hätten sie bei ihnen vor die Haustür gelegt und sogar mit einem Tuch abgedeckt, sie wüßten aber nicht, wer die Katze dorthin gelegt hat. Die andere Katze sei aber noch da ...Seit dem habe ich noch nicht wieder angerufen... Doch irgendwann muß ich mich noch mal überwinden und es tun. Ich möchte wissen, was aus Lisa geworden ist, die jetzt so ganz allein ist...

Ich kann schwer beschreiben was ich fühle und denke. Ich habe das Gefühl etwas Falsches getan zu haben, obwohl ich nur im Sinne der Katzen handelt wollte, daß sie es wieder besser haben. Einer Freundin sagte ich: hätte ich die Beiden doch da ( an dem alten Haus ) gelassen... Daraufhin sagte sie, daß ich mir dann Vorwürfe gemacht hätte, wenn dort eine oder beide verschwunden wären oder ihnen etwas passiert wäre. Sie hat Recht. Es ist eine mißlungene Vermittlung, daß weiß ich heute, aber ich konnte das nicht vorausahnen. Bei mir haben sich die Beiden auch nicht wohl gefühlt, also blieb mir keine andere Wahl.Vielleicht lag es daran, daß die Katzen schon zu alt waren für einen Ortswechsel, aber wie ich im nächsten "Fall" von meiner "Gärtnerei-Katze" Chrissie erzählen werde, kann eine Vermittlung auch sehr gut laufen bei einer älteren Katze.

Vielleicht lag es aber auch daran, daß Mona und Lisa gespürt haben, daß sie dort, in dem neuen Zuhause, nicht wirklich geliebt werden...

...in Erinnerung an bessere Zeiten...zünde ich eine Kerze an für:

Mona & Lisa

 

 

 

wer weiterlesen möchte von Chrissie, der ehemaligen Straßenkatze aus der Gärtnerei und ihren Schicksalsgesnossen bitte in Straßenkatzen Teil 2.

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